Choralschola St. Johannes

St. Johannes

Probentermin

2., 4. und ggf. 5. Dienstag im Monat, 20:00 - 21:30 Uhr

Marienkapelle (St. Johannes-Kirche)

… „singt, was schon die Alten so schön sungen“ – so formulierte es einmal ein Scholamitglied. Und so hat es sich die Choralschola an St. Johannes seit 2007 zur Aufgabe gemacht, die alten ursprünglichen Schätze unserer abendländischen Musikkultur zu erhalten und zu pflegen. Eine kleine Gruppe, die aber viel Freude an dieser Musik hat – und gerne auch noch unterstützt werden darf.

Der Gregorianische Gesang ist der einstimmige Gesang, der für die Liturgie des Römischen Ritus entstanden ist. Als solcher stellt er die musikalische Ausformung der lateinischen Texte der Liturgie dar und ist so – früher genauso wie heute – Bestandteil der liturgischen Handlung. Wie alles, was zum christlichen Kult gehört, hat auch der Gregorianische Choral die Ehre Gottes und die Heiligung der Gläubigen zum Ziel.

Zugegeben – es ist nicht jedermanns Sache und bedarf schon einiger Übung, den rechten „Rhythmus“, der so gar nichts mit der Rhythmik unserer modernen Zeit gemeinsam haben will, und den Geist dieser Gesänge zu erspüren. Doch diesen Schatz zu bewahren – noch dazu, wo dieser als die Wurzel unserer gesamten abendländischen Musikgeschichte angesehen werden kann – ist ein hohes Gut. Daher hier ein kleines Plädoyer für die Gregorianik: Die ältesten Zeugnisse der Texte der gregorianischen Gesänge finden sich in Mess-Antiphonalien des 8. und 9. Jahrhunderts, die ältesten Aufzeichnungen der Melodien in Neumenhandschriften des 10. und 11. Jahrhunderts. Die Anfänge liegen jedoch weitgehend im Dunkeln; seine Wurzeln reichen bis zu den synagogalen Gesängen zurück. ® Etwas „Geheimnisvolles“ liegt somit in seinen Ursprüngen begraben.


Der Gregorianische Choral wird benannt nach Gregor I., dem Großen, (590 – 604). Ihn hielt man jahrhundertelang für den Schöpfer dieser Melodien, die er auf Eingebung des Heiligen Geistes niedergeschrieben haben soll. Deshalb stellt ihn die christliche Ikonographie gelegentlich mit einer Taube – dem Symbol des Heiligen Geistes – dar. ® „Legenden“ ranken sich um seine Geschichte. Wissenschaftlich ist eine Urheberschaft Gregors des Großen nicht nachweisbar. Nachweisbar sind lediglich folgende Fakten: Die liturgischen Gesänge der römischen Liturgie waren nicht identisch mit dem, was wir heute „Gregorianischen Choral“ nennen. Sicher ist, dass dem Gregorianischen Choral ein eigenständiges musikalisches Repertoire vorausging, das die heutige Wissenschaft als altrömisch bezeichnet – und gänzlich unbekannt ist. Von Papst Gregor weiß man, dass er während seines Pontifikates eine radikale Reform der Liturgie und der liturgischen Texte vornahm, um die damals zahlreich vorhandenen lokalen Riten zu vereinheitlichen, in dessen Folge auch die Gesänge in die heutige Ordnung gefügt wurden und der „Gregorianische“ Choral wohl eher diesem geschichtlichen Ereignis seinen Namen verdankt. In frühester Zeit wurden die Gesänge mündlich überliefert und auswendig gesungen – Notenschrift gab es noch nicht. Die Gesänge waren in den Klöstern allerorts bekannt und es galt die Zeichengebung des Dirigenten, der genaue Kenntnis über die Struktur der Gesänge hatte. Aus dieser Zeichengebung ist die erste Form einer Notation entstanden – man begann, um die Gesänge vor dem Vergessen zu bewahren, die Zeichen des Dirigenten in Schriftzeichen über dem Text niederzuschreiben – es entstanden die Neumen (= der Wink), welche der Dirigierbewegung nachempfunden waren und es erstmals erlaubten, eine schriftliche Fixierung der Gesänge zu ermöglichen – und somit schließlich auch zum Vorläufer unserer Notenschrift wurden. ® „Seltsame“ Zeichen machen aus Hörbarem Sichtbares.

Ohnehin war die Ausübung der Liturgie im Mittelalter nur dem Klerus vorbehalten, der, neben dem Adel, zur gebildeten Schicht gehörte. Das „einfache“ Volk war „Zuschauer“ und durch den Lettner vom liturgischen Geschehen abgegrenzt. Ausübende des Gregorianischen Chorals waren allein die Mönche. Dies hat sich im Laufe der jahrhundertelangen Geschichte deutlich geändert. Wurde der Gesang ursprünglich von ausgebildeten (Mönchs-) Scholen übernommen, kamen im Laufe der Geschichte, auch bedingt durch die aufkommende Mehrstimmigkeit, größere Gesangsensembles hinzu bis schließlich – dem II. Vatikanischen Konzil sei Dank – die Gemeinde zum Träger der Liturgie wurde und der Gemeindegesang wichtiger Bestandteil der Participatio actuosa, also der tätigen Teilnahme der Gemeinde im Gottesdienst wurde. Die Mutter-sprache wurde als liturgische Sprache zugelassen, was es dem Gregorianischen Choral schwer machte, dagegen zu bestehen. Gleichzeitig aber sagte das Zweite Vatikanische Konzil auch: „Die Kirche betrachtet den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang; demgemäß soll er in ihren liturgischen Handlungen den ersten Platz einnehmen.“ (Sacrosanctum Concilium, Art. 116) „Museal“ sagen einige – „das passt nicht mehr in unsere Zeit“ sagen andere – dagegen sage ich – wir hören heute immer noch die uralten Texte der Bibel (zugegeben in der Muttersprache) – manche fahren Oldtimer, obwohl es längst moderne Autos gibt – wir gehen ins Museum, um alte Schätze zu bewundern – und bezahlen häufig viel Geld dafür … auch die alten, teils kunstvoll von Hand sehr aufwändig gestalteten, Bibeln und liturgischen (Gesang-)Bücher kann man dort bewundern. Aber … davon klingt die Musik nicht! Der Gregorianische Choral ist ein „lebendiges“ Kulturgut und am authentischsten dort aufgehoben, wofür er entstanden ist – in der Liturgie – in ihr sollte und muss er auch weiterleben. ® „Klangvolle Schätze“ bewahren.


Wussten Sie übrigens, dass das Repertoire für Messfeier und Stundengebet, welches im Graduale und Antiphonale steht, weit über 8000 Stücke umfasst und das es über 30.000 verschiedene überlieferte Handschriften gibt? Und eine davon wurde sogar in Oelde geschrieben. Das „Oelder Graduale“ – in der Zeit zwischen 1490 und 1530 von mindestens vier Schreibern angefertigt und heute im Bistumsarchiv in Münster aufbewahrt – enthält ein vollständiges Proprium einschließlich einer 24-strophigen Sequenz zu Ehren der Hl. Columba, der Conpatronin der St. Johanneskirche. ® Wir sind „Teil dieser Geschichte“.

St. Johannes kann stolz darauf sein, dass es heute noch Menschen gibt, die genau dieses tun: Das unschätzbare Gut frühester christlicher Kultmusik für unsere Liturgie am Leben zu erhalten und so das Klangbild der Kirchenmusik unserer Pfarrei zu vervollständigen ® von der Gregorianik bis zur modernen Chormusik.

Wer Interesse hat, diese recht spezielle Form liturgischen Gesanges näher kennen zu lernen und mitgestalten zu möchten ist herzlich eingeladen, an jedem 2. und 4. (und 5.) Dienstag im Monat in der Zeit von 20:00 bis 21:30 Uhr in der Marienkapelle (Eingang über die Sakristei) mitzusingen. Unser Repertoire erweitern wir mit den zahlreichen Gesängen deutschen Liturgiegesanges, wie sie im Gotteslob zu finden sind. Während des Jahres singt die Choralschola etwa in sechs Gottesdiensten in St. Johannes. Also alles in allem kein allzu großer zeitlicher Aufwand.

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Andreas Döring